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Schattenseite des Tourismus
Sie sind zwischen 17 und 27 Jahre alt. Sie arbeiten oder lernen noch. Das mit Mühe ersparte Geld geben sie für einen Kurztrip ins Ausland aus. Kultur, Museen oder schöne Altstädte interessieren sie nicht – sie wollen nur Party!!! In der Touristik Branche wird dieses Phänomen als „Stang Weekend“ oder „Pub Crawls“ bezeichnet, sprich Sex und Saufen bis zum Umfallen.
Amateure von Sauf- und Sextouren werden in der deutschen Sprache als Sauftouristen bezeichnet. Noch vor einigen Jahren beherrschten die deutschen Mallorca-Touristen diese Disziplin.
„Worin besteht der Unterschied zwischen einem Camel und einem deutschen Touristen? Ein Camel kann zwei Wochen ohne zu trinken gehen, der deutsche Tourist zwei Wochen ohne zu gehen trinken“ – witzelten die Spanier. Der italienische Politiker Stefano Stefanie musste für seine Aussage „die deutschen Touristen wären versoffene und laute Arroganten“ zurücktreten.
Heutzutage machen die britischen Partytouristen den Deutschen den ersten Platz streitig, gefolgt von den Irländern, Amerikanern und Australiern. Sie sorgen mittlerweile in vielen europäischen Großstädten für Freude auf der einen und Entsetzen auf der anderen Seite.
Auch deutsche Metropolen wie Hamburg, München und Berlin zählen u.a. zu den beliebtesten Weekendausflugzielen der Engländer. Die jungen Briten und Britinnen feiern zunehmend ihre Junggesellenabschiede im europäischen Ausland. Auf dem Programm stehen dann drei Tage lang Biergärten, Clubs und Bordelle.
Durch die Erweiterung der Billigflugverbindungen in den letzten Jahren nahm auch die Zahl der Partytouristen zu. Die Reiseveranstalter sprechen zwar von der „Schattenseite der Tourismusbranche“, freuen sich trotzdem über den gestiegenen Umsatz. Denn dort wo Alkohol fließt, klingelt auch die Kasse. Immer mehr renommierte Reiseveranstalter nehmen Partywochenenden ins Programm. So wirbt L-Tour mit dem Slogan „Party, tanzen und gute Laune rund um die Uhr –von der Arbeit direkt ins Partyzentrum“ für ihr Last Minute Angebot „Crazy Trip“ auf den Balearen. Flug, Übernachtung mit Frühstück sowie freier Clubeintritt mit inbegriffen.
Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband verzeichnet einen Boom bei der Nachfrage nach günstigen Übernachtungen und organisierten Kneipenrundgängen. Für einen Abend in einer Bar gibt ein Partytourist durchschnittlich 50 Euro aus.
Steigende Erträge werden zwar gern gesehen, dennoch sollte man die negativen Begleiterscheinungen nicht außer acht lassen. Die Bewohner mancher Berliner Stadtviertel fühlen sich von den etwas zu trinkfreudigen Touristen belästig. Denn sie grölen bis in die Morgenstunden und verunreinigen die Straßen. Die deutschen Behörden stehen heute vor dem gleichen Problem, mit dem sich die spanischen Behörden seit Jahren herumplagen müssen. Auf Mallorca wird Alkoholkonsum auf der Straße bereits mit Bußgeldern in Höhe von 300 bis 1.500 Euro bestraft. In besonders schweren Fällen wie öffentlicher Sexverkehr oder extremer Alkoholkonsum kann man vor Gericht landen.
Doch in den deutschen Metropolen geht es noch beschaulicher zu. Hier kümmern sich um die Betreuung der schnell orientierungslosen Gäste Spezialagenturen, die einen Rundgang durch die Partyszene organisieren.
Anders sieht die Lage in den neuen EU-Ländern aus, hier überfluten die Sauftouristen die östlichen Hauptstädte. Britische Reiseveranstalter werben mit „Beer, Babys and Bullets in The Wild East“ und locken junge Briten nach Prag, Riga oder an die Schwarzmeerküste.
Blagoj Ragin, der Chef des bulgarischen Hotel- und Gaststättenverbandes, sorgt sich über die Zukunft Bulgariens als Reiseland. Zwar kann man noch nicht von Millionen Partytouristen sprechen, aber er befürchtet eine Wiederholung des „Mallorca Syndroms“. Bulgarien verfügt über eine überalterte und unzureichend modernisierte Hotelinfrastruktur und eher unattraktive Freizeitangebote. Die preisgünstigen Angebote locken zwar immer mehr Urlauber an, aber eher die weniger erwünschten. Es habe sich hier ein regelrechter Alkohol-Tourismus entwickelt.
Auch im südpolnischen Krakau werden die britischen „Billigtouristen“ zunehmend ungern gesehen. Durch eine fehlgeschlagene Werbekampagne, in der mit dem Slogan „Ein Bier für ein halbes Pfund“ für die Stadt geworben wurde, kommen viele trinkfreudige junge Briten in die geschichtsträchtige Stadt um ihre Junggesellenabschiede zu feiern.
Noch schlimmer scheint die Lage in Prag zu sein, wo schätzungsweise zwei Millionen Partytouristen im Jahr die tschechische Hauptstadt besuchen. In Riga wurde 2007 eine Kampagne gegen die Veranstalter von Party-Touren durchgeführt, damit wollte man verhindern, dass sich die Stadt zum „Bangkok Europas“ entwickelt.